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Immer mal wieder werde ich gefragt, ob es denn eine Fortsetzung vom Wuffi-Buch gibt? Vielleicht – irgendwann...

Und damit meine grauen Zellen bis dahin nicht ganz einrosten und ich meine Fans auf dem Laufendem halte, gibt es hier eine aktuelle, bisher nicht veröffentlichte Geschichte!

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch

Sabine

 

 

 

 

   

                                                                                                                                                                   

 

Ein aufregender Tag mit Pauline 

Seit einiger Zeit lebt in unserer Wohnung ein kleiner Hamster namens "Pauline". Sie ist klein wie eine Maus und gehört zur Gattung der "Roborowski-Hamster". Mit ihren winzigen Beinchen kann sie rennen wie der Wind und so höre ich sie in der Nacht oft stundenlang in ihrem Laufrad die Runden drehen.

Eines Tages kamen wir ins Gespräch und sie erzählte mir, dass es ihr sehnlichster Wunsch ist, einmal aus diesem Käfig herauszukommen. Ich konnte sie gut verstehen und so dauerte es auch gar nicht lange, bis sie mich überredet hatte und ich vorsichtig das Türchen am Käfig öffnete.

 

 

Mit einem Satz hüpfte Pauline in die Freiheit und landete direkt neben mir am Boden. Sie blinzelte mich frech mit ihren schwarzen Knopfaugen an. "Und was jetzt?" fragte ich erwartungsvoll. Doch ich hatte noch gar nicht richtig ausgesprochen, da flitzte sie auch schon los. Sie genoss sichtlich ihre Freiheit und ich war erstaunt, wie flink sie durch alle Zimmer flitzte. Sie betrachtete neugierig die Fische im Aquarium, begrüßte meine Kuscheltierfreunde im Kinderzimmer, stibitzte ein Stück Apfel aus der Obstschale in der Küche und landete schließlich lachend und übermütig hüpfend im Wasserbett.

Ich hatte Mühe, mit ihrem Tempo Schritt zu halten und war froh, als ich nun einen Moment ausruhen durfte. Hechelnd fragte ich sie: "Wollen wir nicht lieber etwas spielen? Vielleicht Verstecken?" "Prima Idee", rief sie zurück und schon war sie aus dem Zimmer verschwunden. Brummi Bär marschierte zur Türe herein und meinte: "Ob das eine gute Idee war? Dieses kleine quirlige Wesen findest du doch nie im Leben! Komm, ich helfe dir beim Suchen!" Ich war froh über seine Unterstützung und als ich beim Zählen bei 20 angekommen war, rief ich laut: "Ich komme!" und wir marschierten los. Natürlich hatte Brummi-Bär Recht gehabt: Pauline war so winzig, dass sie in die kleinsten Winkel schlüpfen konnte. Und so begann die Sucherei...

Ich glaube, es war mittlerweile bestimmt eine halbe Stunde vergangen, als ich mich erschöpft neben Brummi auf das Bett plumpsen ließ. Wir hatten uns als "Such-Verstärkung" sogar den kleinen grauen Stoff-Hamster "Hamsti" in unser Team geholt. Er schlüpfte für uns hinter Schränke, Betten und Sofas, nachdem ich mit meinem dicken Hintern stecken geblieben war und mich Brummi nur mit Mühe wieder zurückziehen konnte. "Ich habe keine Ahnung, wo wir noch Suchen könnten", sagte ich zu Brummi, der gerade Hamsti dabei half, sich von Spinnweben zu befreien. Unglaublich, wie schmutzig es hinter unseren Schränken ist...

"Ich habe auch keine Lust mehr", erwiderte Brummi. Deshalb rief ich laut: "Pauline, komm raus! Du hast gewonnen!"

 

 

Ich dachte, sie würde nun sicher gleich um die Ecke flitzen, aber sie tat es nicht! Auch auf mein zweites und drittes Rufen kam keine Reaktion. Allmählich machte ich mir Gedanken um den Hamster. Ob ihr etwas passiert war? Vielleicht war sie ja irgendwo stecken geblieben, so wie ich vorhin? Womöglich fand sie den Weg aus einem dunklen Versteck nicht mehr heraus oder sie hatte sich sogar verletzt? Ich sah auf die heiße Heizung vor mir und hatte plötzlich ein unheimlich schlechtes Gewissen. Es gab doch so viele gefährliche Dinge in unserer Wohnung, die Pauline gar nicht kannte. Es wäre meine Pflicht gewesen, sie zu warnen, bevor ich sie aus dem Käfig ließ!

Ich fühlte mich schlecht. Der Schweiß stand mir vor Angst auf der Stirn. Hamsti meinte beruhigend: "Mach dir mal nicht voreilig Sorgen. Vielleicht liegt sie nur irgendwo zusammengerollt in einer Ecke und schläft. Du weißt doch, wir Hamster sind nachtaktiv und der Lauf vorhin durch die Wohnung hat sie bestimmt nur müde gemacht." Klar konnte das gut möglich sein, aber ich wollte nicht Schuld sein, wenn ihr wirklich etwas passiert war. Und was würde wohl Melanie sagen, wenn sie in einer Stunde nach Hause kommt, der Käfig offen steht und Pauline fehlt?!? Ich sprang auf und rief: "Los, wir müssen sie finden!"

Nachdem wir ja vorhin schon so gut wie alle Winkel dieser Wohnung abgesucht hatten, teilten wir uns nun auf und jeder von uns bekam ein Zimmer zugewiesen. Ich begann im Flur und schrie immer wieder: "Pauline, wo bist du? Wir machen uns Sorgen!" Aber wieder kam keine Antwort. Der Uhrzeiger rückte immer weiter voran und ich war schon ganz verzweifelt, als ich plötzlich ein leises Wimmern hörte.

Ich spitzte meine Ohren. Hatte ich schon Halluzinationen oder war da gerade tatsächlich ein Geräusch gewesen? Da! Ich hörte es wieder: Ein leises, undeutliches Murmeln. Blubb! Ich verschärfte meinen Spürsinn und versuchte die Richtung zu orten, aus der das eigenartige Geräusch kam. Ich schloss die Augen und folgte meinem Instinkt. Als ich sie wieder öffnete, stand ich im Bad und hier war es nun unüberhörbar: Etwas gurgelte und gluckerte und ich hörte sogar ein schwaches: "Hilfe!" "Pauline", rief ich aufgeregt, "bist du das?" Ich drehte mich suchend um. "Wo bist du?" "Gluck", kam als Antwort und mit einem Schlag wußte ich, wo ich suchen musste! Es war Wasser! Natürlich! Das eigenartige Geräusch war Wasser!

Ich raste zur Badewanne, aber die war vollkommen trocken. Voller Sorge hüpfte ich auf das Waschbecken. Aber auch hier war gähnende Leere. "Wo gibt es denn sonst noch Wasser im Bad?" rumorte es in meinem Kopf. Ich blickte mich um und meine Augen machten bei der Toilette Halt: "Oh nein, sie wird doch nicht...?!" Ich riss panisch den Deckel zur Toilette auf und es gab mir einen Stich im Herzen: Da lag Pauline wie leblos im Wasser. "Mein Gott, Pauline! Komm schnell, ich helfe dir raus!" schrie ich hysterisch. Doch sie antwortete nicht und ihr kleiner Körper trieb weiter im Abfluss.

 

 

Durch mein Geschrei waren mittlerweile auch Brummi und Hamsti im Bad angelangt und sie halfen mir, Pauline aus dem Wasser zu ziehen. Das war gar nicht so einfach, doch schließlich schafften wir es. Pauline lag nun als kleines, nasses Wollknäuel vor uns am Boden. Tränen rannten mir über das Gesicht, als ich sie so sah. Sie war blass, das Fell feucht und stumpf und ihre großen Knopfaugen, die sonst immer so fröhlich leuchteten, hatten einen grauen Schleier. Ich stupste sie an und schüttelte sie. Keine Reaktion...

Der Kloß, der sich in meinem Hals gebildet hatte, wurde immer größer. "Wir müssen das Wasser aus ihr heraus bekommen!" kreischte Brummi. Ich hatte Angst. Ich hatte schreckliche Angst, dass sie nicht mehr aufwacht. Und es dröhnte in meinem Kopf: "Du bist schuld, Wuffi! Du hast sie aus dem Käfig gelassen und bist schuld, wenn sie stirbt!" Vor Panik wurde mir ganz heiß. Und das, obwohl ich gleichzeitig eine Gänsehaut hatte. Es war ein ganz schreckliches Gefühl. "Du musst etwas tun!" hörte ich Hamsti rufen. Ja, er hatte Recht. Ich musste etwas tun!

Vorsichtig legte ich meine linke Vorderpfote auf Paulines Bauch und drückte sachte nach unten. Einmal, zweimal, dreimal. Das hatte ich schon mal im Fernsehen gesehen. "Schneller", brüllte Hamsti, "du musst das schneller machen!". Auch er war mittlerweile schon ganz nass von den vielen Tränen. Okay. Ich drückte also schneller: Eins, zwei, drei,...

 

 

Und dann kam dieser wunderbarste Moment in meinem Leben: Ein Schwall Wasser spritzte aus Paulines‘ Maul und sie blinzelte mich an. Sie hustete und ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich über dieses Husten war. Ich nahm sie in meine Arme, knuddelte sich zärtlich und gab ihr einen dicken Schmatz auf die Wange. "Wie geht es dir?" fragte ich leise. "Ich bin müde", hauchte sie zurück, "bringst du mich bitte in meinen Käfig zurück?" Vorsichtig trug ich sie ins Wohnzimmer. Ich rubbelte sie an meinem Fell ein wenig trocken und legte sie dann sachte in ihr Häuschen. Ich schloss die Käfigtüre und murmelte: " Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Und nun ruh dich gut aus und schlaf schön!"

Den ganzen Tag über musste ich an Pauline denken und darüber, was alles hätte passieren können. Ich blieb extra lange auf und besuchte sie in der Nacht. Sie flitzte schon wieder flink in ihrem Laufrad und die kleinen schwarzen Knopfaugen funkelten mich wie immer fröhlich an. Ich freute mich, dass es ihr wieder gut ging, doch ich hatte immer noch ein unheimlich schlechtes Gewissen. Schließlich war ich derjenige, der Schuld an dieser ganzen Sache hatte. Ohne mich wäre das nicht passiert! Ich erzählte ihr von meinen Gefühlen und wie es mir gegangen war, als sie so leblos vor mir gelegen hatte.

Doch Pauline lächelte mich nur an und meinte: " Es ist schön, dass du dir Gedanken über mich gemacht hast. Das zeigt mir, dass du ein wahrer Freund bist. Trotzdem möchte ich dir noch etwas dazu erklären: Wie auch immer diese Geschichte heute geendet hätte – es war nicht deine Schuld!! Es war doch mein Wille, einen Ausflug aus diesem Käfig zu machen und es war auch meine freie Entscheidung, dieses üble Versteck zu wählen. Mit dem Öffnen des Käfigs heute Morgen hast du nur eine Weiche in meinem Leben gestellt. Aber welchen Weg ich weitergehe, war ganz alleine meine Entscheidung! Im Gegenteil. Ich muss froh sein, dass du mich gefunden und mir somit das Leben gerettet hast. Danke, Wuffi!! Und ich verspreche dir auch, dass ich bei unseren nächsten Ausflügen vorsichtiger sein werde!"

Sie lächelte immer noch und auch ich musste nun schmunzeln. Von dieser Seite aus hatte ich das Ganze noch gar nicht betrachtet. Ich spürte, wie der Stein in meinem Magen ein wenig leichter wurde. Pauline blinzelte und meinte: "Und nun geh endlich ins Bett. Du siehst ziemlich müde aus." Da hatte sie gar nicht mal so unrecht. Die Augenlider klappten mir schon nach unten. Ich wünschte ihr eine gute Nacht, kletterte zu meiner Melanie ins Bett und fiel sofort in einen tiefen, festen Schlaf...

 

 

 

 

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Sabine Nadler | Info@wuffi-online.de